2017-12-01 Erlaubnis Peine

Aus Arbeitskreis Fracking
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Bewilligungsfeld nahe Braunschweig

11.12.2017

Landkreis Peine: Bewilligung zur Gewinnung von Erdöl/Erdgas erteilt
Im Landkreis Peine gibt es nun innerhalb des Erlaubnisfeldes "Borsum" ein neues Feld, in dem jedoch bereits die Gewinnung von Kohlenwasserstoffen erlaubt ist. Dies gab das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG, Niedersachsen) am 27.11.2017 bekannt. Dieses neue Bewilligungsfeld "Lahberg" liegt bei Peine, zwischen Ilsede, Gadenstedt und Ohberg. [1,2,3,4]

Dies war auch Thema im vergangenen Planungs- und Umweltausschuss der Stadt Braunschweig, indem ein Schreiben der RDG Niedersachsen GmbH, Inhaberfirma des Feldes "Borsum", zum Feld "Lahberg" zur Kenntnis gegeben wurde. [5]

"Auch wenn die Bewilligung lediglich zur Sicherung von Bergrechten beantragt wurde, sendet sie doch ein Signal des "Weiter so" in der Energieversorgung Deutschlands, trotz der inzwischen hinlänglich bekannten Notwendigkeit der Energiewende und somit die Eröffnung zusätzlicher Erdöl- und Erdgasförderstellen zu unterlassen", kritisiert Volker Fritz - PIRAT und Mitglied im AK-Fracking Braunschweiger Land - generell die Vergabe von Bergrechten zur Erkundung und Förderung von Kohlenwasserstoffen.

Untergrund durchzogen mit Stollen und Altbohrungen
Die Gegend Peine/Ilsede/Salzgitter ist durch die Eisengewinnung (Brauneisenstein) und den Kali-Abbau in hohem Maße im Untergrund durchsetzt mit 23 Stollenanlagen der zahlreichen stillgelegten Förderbetriebe. Auch im und am Feld "Lahberg" befinden sich Stollensysteme stillgelegter Förderanlagen. [6]

"Schweizer Käse wäre also eine durchaus zutreffende Bezeichnung für diese Gegend. Die Aussage, dass die deutsche Tochter RDG der österreichischen RAG nicht beabsichtige, Fracking-Operationen durchzuführen, kann nicht beruhigen," führt der Ingenieur iR Fritz aus. "Es ist denkbar, dass sie die Förderung nach dem EOR- oder "Lazarus"-Verfahren betreiben wollen, wenn ihnen die Voraussetzungen eine Förderung lohnend erscheinen lassen. In den USA wird schon seit 2008 umfangreich mit dem EOR-Verfahren Öl gefördert. Dort wurden weit über 10.000 Bohrungen so reaktiviert. Und das birgt erhebliche Risiken für das Grundwasser. Hierbei wird Druck im Untergrund "hinter" dem Öl aufgebaut, um es zur Förderbohrung zu schieben und dieser Druck wirkt natürlich in alle Richtungen. Häufiger werden auch Chemikalien zugeführt, um die Viskosität des Rohöles im Untergrund zu senken, wie zum Beispiel Polymere und Tenside. Allerdings reichen kleinste Risse zum Austritt in andere Gesteinschichten oder Grundwasserleiter aus. Der angelegte Druck hilft dabei sogar noch". [7,8,9]

Auch der Boden rund um Salzgitter ist von zahlreichen stillgelegten Gruben durchlöchert. Hier steht nun ebenfalls zu befürchten, dass neue Bewillungsfelder genehmigt werden: Mit den gleichen Risiken, denn neben den stillgelegten Förderanlagen befindet sich auch das ehemalige Erzbergwerk Konrad in dieser Region: Salzgitter-Steterburg. Dessen Sohlengänge reichten nach Norden bis zum Mittellandkanal und darüber hinaus in Richtung Gifhorn. Auch bemerkenswert ist die Aussage, dass allein im Zuge der Entwicklung dieses Erzbergwerkes 90 Erkundungsbohrungen zur Bestimmung der Erzlagerstätten von 1933 - 1957 niedergebracht wurden. Auch bei anderen Bergwerken wurden solche Bohrungen zur Abklärung der Geologie durchgeführt. Es ist auch bekannt, dass man schon in den 1930er Jahren versucht hat - durch Bohrungen von den Stollenanlagen der Bergwerke aus - Ölförderung zu betreiben. Dies gelang aber nicht befriedigend. Auch wurden zahlreiche Versuchsbohrungen in dem Gebiet niedergebracht, um Erdöl zu finden und zu fördern. Dabei wurden auch teils die Erzlager entdeckt, die anschließend bergmännisch abgebaut wurden. [10]

Studie der Friends of The Earth Europ (FoEE) zu Europa
In der neuen Studie der Friends of The Earth Europ (FoEE) vom 07.11.2017, zur Frage, ob sich Europa die Festlegung auf Erdgas leisten kann, schreiben die Verfasser Anderson und Broderick abschließend unter "Recommendations": "Das Energie-System der EU muß schnell in ein regeneratives bis 2030 umgewandelt werden. Die EU sollte jegliche neue Gewinnung von Öl, Erdgas und Kohle stoppen und unkonventionelle fossile Brennstoffe wie Teersandöle und Schiefergas verbieten." [11]


Quellen:
[1] http://ak-fracking.de/wiki/2017-08-24_Feld_Borsum_im_Braunschweiger_Land
[2] http://ak-fracking.de/wiki/2017-10-18_Aus-Kimmeridge-wird-RDG
[3] http://ak-fracking.de/wiki/Begrifflichkeiten#Firmen_und_Institutionen
[4] http://www.lbeg.niedersachsen.de/aktuelles/pressemitteilungen/lbeg-praesident-sikorski-stellt-neue-bodenkarte-fuer-niedersachsen-vor-159768.html
[5] https://ratsinfo.braunschweig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1008106
[6] https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Stillgelegtes_Bergwerk_im_Peine-Salzgitter-Revier
[7] http://ak-fracking.de/wiki/Datei:Das_Lazarus-Verfahren.pdf
[8] http://www.energy.ca.gov/sitingcases/hydrogen_energy/documents/08-AFC-8/applicant/Tech_Studies_CO2_EOR/Ferguson,%20Storing%20CO2%20with%20EOR.pdf
[9] http://reiter-kurier.de/traenkwasser-und-grundwasser-gefaehrdet-durch-neue-erdgasfoerdermethoden/
[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Eisenerzbergwerk_Konrad
[11] https://www.foeeurope.org/sites/default/files/extractive_industries/2017/can_the_climate_afford_europes_gas_addiction_report_november2017.pdf